Petite Messe Solennelle, am Sonntag in ihrer ursprünglichen Fassung für Solisten, Chor sowie der ungewöhnlichen Kombination aus Klavier und Druckwindharmonium aufgeführt, entfaltete sich in der Weweraner Pfarrkirche als ein Werk von faszinierender Eigenwilligkeit und überwältigender Intensität. Was oft als „kleine Messe“ bezeichnet wird, erwies sich als klanglich und interpretatorisch anspruchsvolles Monument – geprägt von einem atemberaubenden Tempo, das insbesondere dem Pianisten eine nahezu virtuose Meisterleistung abverlangte und den Chor vor erhebliche rhythmische Herausforderungen stellte. Dieses Werk gehört in den Kirchenraum, doch ist es dort nur selten zu hören – umso bemerkenswerter die Aufführung der Johannes-Kantorei Wewer unter der umsichtigen Gesamtleitung von Tobias Lehmenkühler.
Der besondere Reiz dieser Komposition liegt in ihrer stilistischen Vielschichtigkeit: Lange, weit gespannte Cantilenen erinnern an barocke Fugenstrukturen, während sich zugleich eine überraschend moderne, bisweilen visionär anmutende Tonsprache der Romantik entfaltet. Rossinis ungewöhnliche Harmonik wirkt ihrer Zeit voraus und verleiht dem Werk ein eigenwilliges, bis heute ungewohntes Hörerlebnis.
Das rund 80-minütige Werk, das enorme Anforderungen an alle Mitwirkenden stellt, wurde mit großer Hingabe und musikalischer Präzision realisiert. Pianist Daniel Tappe überzeugte mit virtuoser Brillanz und feinem Gespür für Rossinis stilistische Eigenheiten, während Dekanatskirchenmusiker Martin Geiselhart dem Druckwindharmonium klangliche Tiefe und Ausdruck verlieh – besonders eindrucksvoll im Preludio religioso.
Auch das Solistenquartett hinterließ einen nachhaltigen Eindruck: Susan Kuhlen (Sopran), Jonathan Dräger (Tenor) und Gottfried Meyer (Bass), dem Publikum bereits aus früheren Konzerten vertraut, glänzten mit stilistischer Sicherheit und großer Ausdruckskraft. Die erstmals mitwirkende Mezzosopranistin Anna-Maria Koßbau fügte sich nahtlos in das Ensemble ein und setzte in den Altpartien eigene klangliche Akzente. Gemeinsam bewiesen die Solistinnen und Solisten eine große Vertrautheit mit Rossinis Belcanto-Sprache.
Der Chor schließlich meisterte die rhythmischen und klanglichen Herausforderungen mit bemerkenswerter Präzision und Ausdrucksstärke. So entstand ein musikalisch tief berührendes Gesamtbild, das die Vielschichtigkeit und emotionale Spannweite von Rossinis Spätwerk eindrucksvoll zur Geltung brachte. Das hochkonzentrierte Publikum dankte den Musizierenden mit langanhaltendem, begeistertem Applaus.
Und wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Freunden & Förderern, ohne die ein solches Konzert nicht möglich wäre, insbesondere bei der VerbundVolksbank OWL, der Karl Meiners GmbH & Co. KG, Burkhard Bernemann, der Buchhandlung Nicolibri und dem Diözesan-Cäcilienverband Paderborn.
Reinhören in das Konzert kann man hier.

